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... Seiten-Inhalt 2.9. alte Blindenschriften:

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alte und neue Blindenschriften, Reliefschriften, Punktschriften, taktile Schriften, haptische Schriften


Entwicklung der Blindenschriften früher und heute:

  • Einteilung der Blindenschriften (haptische bzw. taktile Schriften) in Punktschriften und Reliefschriften:
    Einteilung der Blindenschriften in Punktschriften (Brailleschrift, American Braille, New York Point und andere) und Reliefschriften (Moonschrift, Haüyschrift, Stachelschrift und andere)
    Auch die Stachelschrift zähle ich zu den Reliefschriften, da die Punkte genau wie bei Dotty Moon nicht einzeln fühlbar sind, sondern als geometrische Form erkannt werden.
    Blindenschrift ungleich Punktschrift ungleich Brailleschrift
    Auch wenn die anderen Schriften kaum eine Rolle spielen ist die generelle Gleichsetzung von Brailleschrift und Punktschrift oder von Brailleschrift und Blindenschrift falsch. Die Brailleschrift ist zwar die effektivste und erfolgreichste Blindenschrift, aber sie ist nicht für alle Blinden geeignet oder wird durch diese genutzt.
  • Vor dem Siegeszug der Punktschriften wurden zum Beispiel erhaben dargestellte Buchstaben nach Valentin Haüy (neues Fenster) zum Lesen für Blinde verwendet, die viel zu kompliziert waren, um hintereinander gelesen werden zu können. Bei der seit 1784 verwendeten Reliefschrift nach Haüy (neues Fenster) (tastbares Alphabet) wurden die Schriftzeichen auf der Rückseite mit einer eisernen Feder spiegelverkehrt in dickes Papier eingeritzt oder aus Draht geformt und eingedrückt.
    Buchstaben 'bdgjz' der Schrift nach Valentin Haüy     erhabene Musiknoten
    Weitere Reliefschriften bzw. Blindenschriften wurden unter anderem von Terzi (Grafik, neues Fenster), Alston (Grafik, neues Fenster), Gall (Grafik, neues Fenster), Howe (Grafik, neues Fenster), Lucas (Grafik, neues Fenster), Hebold (Grafik, neues Fenster) und Frere entwickelt. (externe Links siehe Zeitleiste unten)
    Buchstaben 'bdgjz' der Schrift nach Alston 1830   Buchstaben 'bdgjz' der Schrift nach Gall 1831
  • Aber auch die Stachelschrift (neues Fenster), die Johann Wilhelm Klein (neues Fenster) 1807 erfunden hatte, war nur schwer lesbar, obwohl sie die lateinischen Buchstaben in Punkten darstellte. Denn es musste erst der gesamte Buchstabe mit dem Finger in Auf- und Abwärtsbewegungen abgefahren werden, um ihn zu erkennen.
    das Wort STACHELSCHRIFT in Stachelschrift nach J. W. Klein     Stachelschrift-Typen
  • Die erste echte Punktschrift erfand 1815 Charles Barbier (neues Fenster). Die Zeichen seiner für militärische Zwecke erfundenen
    ->> Nachtschrift bestanden aus bis zu 12 Punkten in zwei Reihen. Barbier unterbreitete seine Schrift auch dem Pariser Blindeninstitut, wo sie auch zeitweise als Blindenschrift genutzt wurde.
    ... hier die Tabelle mit der Barbier-Alphabet-Punkte-Belegung.

    'chiffrer dans le noir' in Nachtschrift
  • Wer hat die Blindenschrift erfunden?
    Louis Braille entwickelte von 1821 bis 1825 sein Punktschrift-Alphabet aus der Nachtschrift von Charles Barbier heraus, indem er die Anzahl der Punkte auf 6 reduzierte. Dadurch war seine Punktschrift sehr gut zu lesen und zu schreiben. Die erste Veröffentlichung seiner Punktschrift erfolgte 1829, allerdings dauerte es noch viele Jahre, bis sich diese Schrift durchsetzen und die vorher benutzten Blindenschriften ersetzten konnte. Erst 1850 wurde die ->> Brailleschrift offiziell als Blindenschrift anerkannt, danach setzte sie sich auch international (teils durch phonetische Anpassung (neues Fenster)) durch.
    Text 'braille-schrift' in Brailleschrift 
    to the english site Text 'braille writing' in Brailleschrift
  • 1839 stelle Louis Braille seine ->> Raphigraphy zur Nachbildung der Schwarzschrift vor. Mit dieser Schrift konnten Blinde ihren Angehörigen schreiben, die Brailleschrift nicht lesen konnten. Später wurde diese Schrift mit einer Apparatur geschrieben und zunehmend ersetzte die Schreibmaschine diese Schrift.
    ... hier die Tabelle mit der Raphigrafie-Alphabet-Punkte-Belegung

    Wort 'Raphigrafy' in Raphigrafie     Raphigraph
  • Parallel entstanden auch weitere Reliefschriften, unter anderem 1845 die ->> Moonschrift von Dr. William Moon (neues Fenster), welche trotz optischer Einfachheit noch nicht problemlos taktil zu erfassen ist. Moon entwickelte das System von James Hatley Frere weiter, der mit ähnlichen Zeichen wie Thomas Marc Lucas zuvor ein phonetisches Alphabet entwickelt hatte. Teilweise wird das Moonalphabet in einigen Regionen der Erde heute noch als Standard-Blindenschrift verwendet.
    ... hier die Tabelle mit der Moon-Alphabet-Text-Beschreibung
    ... hier die Tabelle mit der Dotty-Moon-Punkte-Belegung

    Text 'MOON ALPHABET' in Moonschrift und in Dotty Moon     Dotty-Moon: Moon-Schrift aus 5 mal 5 Punkten
  • Von 1871 bis 1916 wurde in New York das von Braille abweichende Punktschrift-System "New York Point" (neues Fenster) benutzt. Die um 1860 von William Bell Wait erfundenen Zeichen waren nur zwei Punkte hoch. Doch trotz Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Satzzeichen war diese Schrift durch die unterschiedliche Länge der Zeichen schwerer zu lesen als Braille und wurde 1916 beim "Krieg der Punkte" (War of the dots) (neues Fenster in englisch) durch das englische Braille verdrängt.
    ... hier die Tabelle mit der New-York-Alphabet-Punkte-Belegung (neues Fenster)

    Text 'New York Point' in New York Point
  • Auch die von Joel W. Smith 1878 reformierte Version "American Braille" (neues Fenster) konnte sich in dieser Auseinandersetzung nicht durchsetzen, obwohl sie die von Braille willkürlich festgelegte Zuordnung der Punktmuster durch eine statistisch effektivere ersetzte (häufigste Buchstaben erhielten die geringsten Punkte). Eine einheitliche Blindenschrift im englisch-sprachigen Raum hatte Vorrang und unterstützte so auch die internationale Verbreitung der Brailleschrift.
    ... hier die Tabelle mit der American-Braille-Punkte-Belegung (neues Fenster)

    Text 'american braille' in American Braille
  • Mit Einführung der Computer in den 1980er Jahren wurde das Braille-System auf 8 Punkte erweitert, damit jedes Zeichen des Computers genau einem Braillezeichen entsprach. Mit diesem ->> Computerbraille waren nun insgesamt 2 hoch 8 = 256 verschiedene Zeichen möglich. Die Zeichenzuordnung zu 8-Punkt-Braille wurde als Eurobraille definiert.
    Braillezeile mit Computerbraille 'seit 1986 Computerbraille'
  • In Weiterführung der Idee von Louis Braille für seine Raphigrafie zur besseren Kommunikation Blinder und Sehender wurde von Alexander Fakoó von 2007 bis 2008 eine alternative Punktschrift entwickelt. Diese ->> Fakoo-Schrift benutzt die gleichen Punkte wie die Braille-Schrift, jedes Zeichen besteht aber aus bis zu 9 Punkten und einem integrierten Buchstabenabstand. Damit ist diese Punktschrift auch für Sehende lesbar, woraus sich viele Vοrteile ergeben.
    ... hier die Tabelle mit der Fakoo-Alphabet-Punkte-Belegung

    Text 'FAKOO-SCHRIFT' in Fakoo-Schrift   (cc)
  • Für handschriftliche Aufzeichnungen Blinder wurde 2008 von Alexander Fakoó eine kurvenlose Blinden-Schreibschrift entwickelt, welche nur die 4 Seitenlinien und die zwei Diagonalen eines Quadrates benutzt. Diese Quadratschrift lässt sich einfacher als Moon schreiben und enthält neben Buchstaben auch Ziffern. Da die ->> Quadoo-Schrift stark an die Schwarzschrift angelehnt ist, entsteht ein großer Wiedererkennungs-Effekt.
    ... hier die Tabelle mit der Quadoo-Alphabet-Text-Beschreibung
    ... hier die Tabelle mit der Dotty-Quadoo-Punkte-Belegung (neues Fenster)

    Text 'QUADOO-SCHRIFT' in Quadoo-Schrift   (cc)

einige Blindenschriften von früher und heute im Vergleich:
Alphabete von Haüy, Gall, Howe, Moon, Braille, Wait und Fakoo untereinander
Zu beachten wäre, dass die Buchstaben der Braille-Schrift fast ohne erkennbaren seitlichen Abstand aneinander gereiht werden.

der Raphigraph
Eine der ersten Schreibmaschinen für Blinde - der Raphigraph von 1841
(im Gegensatz zur Schreibkugel (neues Fenster in englisch) von 1872 wurden hier
die lateinischen Buchstaben spaltenweise geschrieben)

- weitere Links zu Blindenschreibmaschinen

Neunauge FAKOOSY im Zickzack liegend, Beschriftung: Das Neunauge FAKOOSY vertritt www.fakoo.de, die Lernseite um Alphabete behinderter Menschen (Beschreibung siehe fakoosy.txt)
fakoosy.txt

Zeitleiste 1600 bis 2000


zeitliche Entwicklung der Blindenschriften / Zeitleiste, Zeittafel, Tabelle, Chronologie der Blindenschrift(en)   Drucker


17. Jahrhundert     (1601 - 1700)
18. Jahrhundert     (1701 - 1800)
19. Jahrhundert     (1801 - 1900)
20. Jahrhundert     (1901 - 2000)
  • 1904 Beschluss der endgültigen Fassung eines deutschen Kurzschriftsystems in Halle (Sachsen-Anhalt)
  • 1907 Der Blindenlehrerkongress Hamburg genehmigt die erste "Mathematik- und Chemieschrift für Blinde"
  • 1910 Entwicklung des ersten deutschen Punktschrift-Streifenschreibers durch Oskar Picht in Berlin
  • 1916 Entscheidung im "War of the Dots" (Krieg der Punkte) für die einheitliche englische Brailleschrift auch in Amerika
  • gleiches Jahr Gründung der Blindenstudienanstalt Marburg (externer Link) (neues Fenster), des ersten Gymnasiums für Blinde
  • 1919 die erste Auflage der Mathematik- und Chemieschrift erscheint nach Überarbeitung von Fachleuten in Marburg
  • 1926 Eine Schachschrift für blinde Menschen wird entworfen
  • 1929 Einführung des Internationalen Braille-Musikschriftsystems in Paris
  • 1943 Einführung der "Einheitsstenografie für Blinde"
  • 1951 der Perkins Brailler (externer Link) (neues Fenster) wird an der 'Perkins School for the Blind' (externer Link englisch) (neues Fenster in englisch) gebaut und erfolgreich weltweit vermarktet,
    erfunden von David Abraham und benannt nach dem Namensgeber der Schule Thomas H. Perkins (externer Link englisch) (neues Fenster in englisch)
  • 1961 Einführung einer Verhandlungsstenografie auf der Basis des 8-Punkte-Systems
  • 1968 Einführung des automatischen Punktdrucks mittels Computer und Herausgabe der Zeitschrift "Stern"
  • 1971 Reform (völlige Neubearbeitung) der Kurzschrift von 1904
  • 1972 - 1977 Entwicklung einer elektromechanischen Braillezeile (Braillemodul) in Stuttgart
  • 1980 Erstmaliger Einsatz automatischer Prägungsmaschinen
  • 1980 - 1986 Das 8-Punkt-Eurobrailleschriftsystem / (interner Link) Computerbraille wird entwickelt
  • 1998 Reform der deutschen Blindenschrift: Anpassung an neue deutsche Rechtschreibung und Berücksichtigung der Computerschrift durch die neue "Brailleschriftkommission der deutschsprachigen Länder"
21. Jahrhundert     (ab 2001)
  • 2001 Kontroverse Diskussionen um die Einführung von 8-Punkt-Braille als Erstschrift für Schulkinder (abgelehnt)
  • 2005 Ergänzungen zur deutschen Blindenkurzschrift, aktuelle Fassung von 2005
  • 2007 (interner Link) Fakoo-Alphabet als 9-Punkt-Schrift für Spät-Erblindete von Alexander Fakoó
  • 2008 (interner Link) Quadoo-Alphabet (Quadratschrift) als Moon-Alternative von Alexander Fakoó
  • 2009 Braille-Jahr anlässlich des 200. Geburtstages von Louis Braille am 4. Januar 2009
  • 2011 Weltkongress Braille21 (neues Fenster) in Leipzig

zur Druckversion der Zeittafel (neues Fenster)



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