Wie wird Blindenschrift geschrieben? Wie schreibt man Punktschrift?
Da Blinde die Schwarzschrift, wie die gedruckten Buchstaben von den Blinden genannt werden, nicht sehen können,
schreiben sie in Braille-Schrift. Für diese Blindenschreibschrift benötigen sie jedoch eine
Schablone (Punktschrift-Tafel / Blindenschrift-Tafel / Schreibtafel) und einen Griffel (Stichel).
Jedes rechteckige Loch der Tafel entspricht einer Braille-Form mit 6 Punkten - die jeder Form zugeordneten
6 Vertiefungen im hinteren Teil der Braille-Tafel helfen beim Setzen der Punkte.
In die Tafel wird starkes Papier (Karton, ca. 120 - 160 g / m hoch 2)
eingelegt und die Tafel geschlossen. Kleine Nasen in der Tafel arretieren dabei das Papier.
Geschrieben wird, indem die Braille-Punkte mit einem Griffel von hinten ins Papier gedrückt werden. Man
muss von rechts nach links und seitenverkehrt (spiegelverkehrt) schreiben,
damit die erhabenen Punkte auf der Gegenseite des Papiers richtig herum erscheinen.
Zum Lesen wird das Blatt aus der Punktschrift-Tafel (Braille-Tafel) genommen und umgedreht.
Nun lassen sich die erhabenen Punkte ertasten und seitenrichtig von links nach rechts lesen.
Wird das Blatt wieder exakt wie vorher eingelegt, kann weiter geschrieben werden, wenn der Blinde sich die
Zeile und die Reihe (Spalte) gemerkt hat (diese sind auf der Tafel in Braillezeichen beschriftet).
Falsch gesetzte Punkte können nur gelöscht werden, imdem das Blatt herausgenommen und mit einem breiteren
Korrekturstift (dem sogenannten Eraser) die Punkte wieder platt gedrückt werden. Auf Grund des Aufwandes wird diese
Methode aber nur selten angewendet. Meist werden falsche Zeichen einfach mit Grundzeichen überschrieben.
Für Beschriftungen von Gegenständen, Schranktüren, Behältern oder Dosen gibt es selbstklebendes
Prägeband in unterschiedlichen Ausführungen.
Mit dem Beschriftungsgerät (links) werden genau wie bei der Tafel die Punkte seitenverkehrt gesetzt.
Die Prägezange (rechtes Bild) erleichtert die Braille-Beschriftung sehr, da die möglichen Buchstaben am Drehrad in Braille
und in Schwarzschrift aufgedruck sind und vor dem Drücken der Prägetaste lediglich durch Drehen eingestellt werden müssen.
Die Alternative zum Schreiben per Hand ist das Schreiben mit der Blindenschreibmaschine,
auch Braille-Schreibmaschine, Punktschriftmaschine oder Braille Writer
genannt. Die speziell für Blinde entwickelten elektronischen Notizbücher (Blinden-Organizer)
besitzen die gleichen Braille-Eingabetasten wie spezielle Braille-Tastaturen
für die Arbeit am Computer (siehe Computerbraille).
Die Blindenschreibmaschine (Schreibmaschine für Blindenschrift) hat für jeden Braillepunkt eine
eigene Taste, die Punkte werden über die gemeinsam zu drückenden Tasten direkt von unten ins Papier gedrückt. Damit entfällt das Drehen des Blattes,
es kann leicht nachgelesen werden, was geschrieben wurde, ohne das Blatt vollständig aus der Maschine zu nehmen.
die Braille-Tastatur bedienen lernen
Die sechs bzw. sieben oder acht bzw. neun Tastender Tastatur für Blindenschrift sind wie folgt angeordnet:
Um ein Braillezeichen zu schreiben, sind die Tasten der Punkte gleichzeitig zu betätigen. Will man zum
Beispiel ein 'N' schreiben, so muss man mit der linken Hand die Tasten [3] und [1] und
mit der rechten Hand die Taste [4] und [5] gleichzeitig drücken.
Weitere Informationen über die Nutzung von Braille am Computer auf der Seite Computerbraille.
Die Brailleschrift wird weltweit immer von links nach rechts gelesen, auch wenn die jeweilige Schrift des Landes
von rechts nach links oder von oben nach unten geschrieben und gelesen wird.
Blindenschriften, egal ob Relief- oder Punktschriften, werden von Blinden und Sehgeschädigten mit dem
Tastsinn der Fingerspitzen gelesen. Dabei erfassen Tast-Rezeptoren Struktur und
Beschaffenheit der abgetasteten Fläche. Obwohl die Dichte der Druck-Rezeptoren auf den Fingerspitzen am
größten ist, werden erhabene Punkte erst ab einem Abstand von 1,5 bis 4 mm (altersabhängig) als einzeln erkannt (siehe
Tastschärfe (neues Fenster) der Finger).
Spät-Erblindete benötigen durchschnittlich 6 Monate, bis ihre Fingerspitzen Braillezeichen in der
Normalgröße ertasten können. In bestimmten Fällen ist ein taktiles Lesen überhaupt nicht möglich.
Bis die Vollschrift dann flüssig gelesen werden kann, vergeht teilweise bis zu einem Jahr.
Weitere zwei Jahre werden für das Erlernen der Kurzschrift mit ihren zahlreichen Regeln benötigt,
um also Bücher lesen zu können, müssen Spät-Erblindete
circa 3 Jahre intensiv lernen!
Fazit: Aus diesem Grund ist nicht verwunderlich, weshalb nur etwa 20% der Blinden
die Brailleschrift beherrschen und warum besonders Spät-Erblindete damit
ihre Schwierigkeiten haben und oft die Braille-Ausbildung abbrechen.
Da mit den Fingern nur erhabene Punkte gelesen werden können, besteht auch die
Möglichkeit, die Rückseite eines Blattes für die Punktschrift zu nutzen.
Der Zwischenzeilendruck nutzt den Zwischenraum zwischen den
Zeilen für die Punkte der Rückseite.
Bei dem aufwändigeren Zwischenpunktdruck werden die Punkte der
Rückseite genau zwischen die Punkte der Vorderseite platziert (siehe Bild).
Im rechten Bild sehen Sie zwei gegenläufige Punktschrift-Zeilen ineinander:
erhöht von links nach rechts "h(eu)te besu(ch)(er)"
und als Vertiefung von rechts nach links "doppelpunkt"
Durch diese Druckverfahren kann sehr viel Volumen eingespart werden, es
bestehen aber sehr hohe Anforderungen an die Drucktechnik und an das Papier.
Für die Herstellung von öffentlichen Info-Tafeln oder Braille-Beschriftungen gibt es unterschiedliche Verfahren.
Eine Möglichkeit ist das Bohren von Löchern und das Einbringen von Kugeln oder Stiften,
eine andere das Aufbringen von aushärtenden Pasten. Das Problem ist immer die mechanische
Haltbarkeit.
Wo kann man Schilder in Blindenschrift online kaufen?
hier können Sie Schilder, Tafeln oder Frontplatten
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Um auch Sehenden schreiben zu können, lernen Blinde ebenfalls die Schwarzschrift schreiben. Spät-Erblindete
sind in der Regel sehr gut in der Lage, handschriftlich zu schreiben. Um die Zeilen zu halten, gibt es
Zeilenschablonen.
Die Blinden können allerdings nicht sehen, was sie geschrieben haben (hier könnten
Blindenschriften helfen, die auch für Sehende lesbar sind wie Fakoo oder
Quadoo).
Viele Blinde nutzen deshalb diese Form des Schreibens kaum oder gar nicht - mit einer Ausnahme: Blinde müssen ihre
Unterschrift in Schwarzschrift schreiben können, die ebensolche Rechtskraft besitzt wie bei
Sehenden (als Hilfsmittel kann ein "Unterschriftslineal" oder ähnliches benutzt werden).
Alternativ schreiben Blinde mit einer normalen Schreibmaschine (Helen Keller verfasste viele Briefe und Manuskripte
damit), ohne das Ergebnis kontrollieren zu können.